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Welche Alarmanlage empfiehlt die Polizei? Das sagt sie 2026

Welche Alarmanlage empfiehlt die Polizei? Das sagt sie 2026

Kurz gesagt: Welche Alarmanlage empfiehlt die Polizei?

Die Polizei empfiehlt keine bestimmte Alarmanlage und keinen Hersteller. Die polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes nennt stattdessen ein Prinzip: mechanische Sicherungen zuerst, Alarmtechnik als Ergänzung. Wer nach einer polizeilich empfohlenen Marke sucht, sucht nach etwas, das es nicht gibt. Nach der Auswertung von alarmanlagen24.net stammen die oft zitierten VdS-Klassen A, B und C nicht von der Polizei, sondern von der VdS Schadenverhütung GmbH, einer Tochter der Versicherungswirtschaft.

  • Grundsatz der Polizei: "Mechanische Sicherungen, die sinnvoll aufeinander abgestimmt sind, stehen an erster Stelle" (polizei-beratung.de, abgerufen 08/2026).
  • Norm-Basis für Mechanik: DIN EN 1627 ff. für Türen und Fenster, DIN 18104 Teil 1 und 2 für Nachrüstprodukte.
  • Anforderung an die Alarmanlage: Sie soll den Alarm an eine "Hilfe leistende Stelle" weiterleiten. Eine reine Sirene erfüllt das nicht.
  • Keine Klassen-Pauschale: Die Polizei schreibt für Privathaushalte keine VdS-Klasse vor. Die Klasse ergibt sich aus dem Risiko und den Vorgaben des Versicherers.
  • Kostenlos und herstellerneutral: Jede Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle berät vor Ort ohne Verkaufsinteresse.

Was die Polizei tatsächlich empfiehlt

Die polizeiliche Kriminalprävention veröffentlicht ihre Empfehlungen über polizei-beratung.de und die Kampagne K-EINBRUCH. Beide Quellen sind in einem Punkt eindeutig: Es gibt keine Produktempfehlung und keine Herstellerliste. Die Polizei darf keine einzelnen Marktteilnehmer bevorzugen.

Was sie stattdessen liefert, ist ein Sicherungskonzept in drei Stufen:

  1. Mechanik als Basis. Einbruchhemmende Türen und Fenster nach DIN EN 1627 ff., Nachrüstprodukte nach DIN 18104. Sie verlängern die Zeit, die ein Täter am Objekt braucht.
  2. Alarmtechnik als Ergänzung. Eine Einbruchmeldeanlage meldet den Versuch, verhindert ihn aber nicht.
  3. Verhalten. Fenster schliessen statt kippen, Anwesenheit simulieren, Nachbarschaft einbeziehen.

Diese Reihenfolge ist keine Stilfrage. Sie folgt aus der Kriminalstatistik: 44,9 Prozent aller Wohnungseinbrüche blieben 2025 im Versuch stecken (PKS 2025, Bundeskriminalamt). Der häufigste Grund dafür ist Mechanik, die länger hält als die Geduld des Täters.

Der häufigste Irrtum: "Die Polizei empfiehlt VdS-Klasse B"

Diese Aussage steht auf vielen Anbieterseiten und ist falsch. Die VdS-Klassen A, B und C sind ein Zertifizierungssystem der VdS Schadenverhütung GmbH, einer Tochtergesellschaft des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft. Sie regeln, wie manipulationssicher eine Anlage sein muss und wie aufwendig die Zertifizierung des Errichters ist.

Die Polizei verweist auf anerkannte Technik und auf Fachbetriebe, legt aber für Privathaushalte keine Klasse fest. Welche Klasse sinnvoll ist, entscheidet sich am Risiko und an den Auflagen der Versicherung. Details dazu stehen im Ratgeber VdS-Klassen A, B und C.

Situation Übliche Einordnung
Mietwohnung, normaler Wertanreiz Klasse A
Einfamilienhaus mit erhöhtem Wertanreiz Klasse B
Gewerbe mit hohen Werten, etwa Juwelier Klasse C, häufig Auflage des Versicherers

Diese Zuordnung ist eine Orientierung aus der Versicherungspraxis, keine polizeiliche Vorgabe.

Mechanisch vor elektronisch: was das konkret bedeutet

Die Polizei nennt drei Schwachstellen, die in der Praxis zuerst angegangen werden sollten:

  • Fenster und Fenstertüren. Sie sind der häufigste Einstiegsweg. Pilzkopfverriegelungen und abschliessbare Griffe erhöhen den Aufwand deutlich. Mehr dazu im Ratgeber Einbruchschutz Fenster und RC-Klassen.
  • Haus- und Nebeneingangstüren. Entscheidend sind Schloss, Beschlag, Zylinder und Rahmenverankerung im Zusammenspiel, nicht ein einzelnes Bauteil. Siehe Einbruchschutz Haustür RC2.
  • Kellerfenster und Lichtschächte. Sie werden oft vergessen, obwohl sie unbeobachtet liegen.

Erst wenn diese Basis steht, bringt eine Alarmanlage ihren vollen Nutzen. Umgekehrt gilt: Eine Anlage auf ungesicherten Fenstern meldet zuverlässig einen Einbruch, der bereits stattfindet.

Alarm an eine "Hilfe leistende Stelle": was dahintersteckt

Die Formulierung der Polizei ist bewusst offen, hat aber eine praktische Konsequenz. Ein akustischer Alarm allein reicht nicht, weil niemand verlässlich reagiert. In Deutschland ist eine direkte Aufschaltung auf die Polizei für Privathaushalte nicht vorgesehen. Der reguläre Weg führt über eine Notruf- und Serviceleitstelle nach DIN EN 50518, die den Alarm verifiziert und dann Interventionskräfte oder die Polizei alarmiert.

Was das kostet und welche Alternativen es gibt, steht im Ratgeber Alarmanlage mit Polizei-Aufschaltung.

Die kostenlose polizeiliche Beratung nutzen

Der praktisch wertvollste Teil der polizeilichen Empfehlung wird am seltensten genutzt: die Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle. Es gibt sie in jeder Stadt und in jedem Landkreis.

Was die Beratung umfasst:

  • Bestandsaufnahme der Schwachstellen, auf Wunsch vor Ort am Objekt
  • objektbezogene Sicherungsempfehlung mit konkreten Komponenten
  • Hinweise auf regional tätige Errichterbetriebe
  • Informationen zu Fördermöglichkeiten

Die Beratung ist kostenfrei, herstellerneutral und ohne Verkaufsdruck. Die zentrale Anlaufstelle mit Suche nach Postleitzahl ist k-einbruch.de. Sinnvolle Reihenfolge: zuerst die Beratung, dann Angebote von Fachbetrieben einholen.

Zur Förderung: Der KfW-Kredit 159 steht Eigentümerinnen, Eigentümern, Vermietenden und Mietenden mit Zustimmung offen. Alternativ lassen sich Handwerkerleistungen nach § 35a EStG steuerlich absetzen. Beides zusammen geht nicht. Der Investitionszuschuss 455-E ist seit Oktober 2022 ausgesetzt. Einzelheiten im Ratgeber KfW-Förderung Einbruchschutz.

Woran Sie einen geeigneten Fachbetrieb erkennen

Da die Polizei keine Firmen empfiehlt, bleibt die Auswahl beim Auftraggeber. Belastbare Merkmale sind:

  • VdS-Anerkennung als Errichter für die jeweilige Klasse, nachprüfbar in der VdS-Datenbank
  • Mitgliedschaft im BHE oder in einem vergleichbaren Fachverband
  • Errichterverzeichnis der Polizei, das viele Beratungsstellen führen
  • Schriftliches Sicherungskonzept vor dem Angebot, nicht erst danach
  • Angebot mit Wartungsvertrag, weil eine ungewartete Anlage über die Jahre Fehlalarme produziert

Auf alarmanlagen24.net sind Fachbetriebe mit ihren nachgewiesenen Merkmalen wie VdS-Anerkennung und Verbandsmitgliedschaft gelistet, sortiert nach Stadt und Leistungsbereich.

Quellen

  • Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes, polizei-beratung.de, Bereich technische Sicherheit (abgerufen 08/2026)
  • K-EINBRUCH, Fachinformationen zur Polizeilichen Kriminalstatistik (abgerufen 08/2026)
  • Polizeiliche Kriminalstatistik 2025, Bundeskriminalamt: 82.920 Fälle Wohnungseinbruchdiebstahl, Aufklärungsquote 14,1 Prozent, Versuchsanteil 44,9 Prozent
  • VdS Schadenverhütung GmbH, Richtlinien zu Einbruchmeldeanlagen

Warnzeichen vor dem Einbruch: Die Polizei rät, schon im Vorfeld wachsam zu sein. Späher markieren Ziele teils mit Symbolen an Haus, Tür oder Briefkasten. Wer die Gaunerzinken-Symbole und ihre Bedeutung kennt, erkennt erhöhtes Risiko frühzeitig.

FAQ

Häufige Fragen

Welche Alarmanlage empfiehlt die Polizei?

Die Polizei empfiehlt keine bestimmte Alarmanlage, keine Marke und keinen Hersteller. Die polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes darf einzelne Anbieter nicht bevorzugen und nennt stattdessen ein Prinzip: "mechanisch vor elektronisch". Einbruchhemmende Türen und Fenster nach DIN EN 1627 ff. sowie Nachrüstprodukte nach DIN 18104 bilden die Basis, eine Einbruchmeldeanlage ergänzt sie. An die Anlage stellt die Polizei eine funktionale Anforderung: Sie soll den Alarm an eine "Hilfe leistende Stelle" weiterleiten, eine reine Sirene reicht nicht. Die häufig zitierten VdS-Klassen A, B und C stammen nicht von der Polizei, sondern von der VdS Schadenverhütung GmbH, einer Tochter der Versicherungswirtschaft. Welche Klasse sinnvoll ist, richtet sich nach dem Risiko und den Auflagen des Versicherers, nicht nach einer polizeilichen Vorgabe.

Was ist das K-EINBRUCH-Programm?

K-EINBRUCH ist die bundesweite Präventionskampagne der polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Sie bündelt kostenlose Beratungsangebote, Informations-Material und einen verifizierten Errichter-Pool. Über die zentrale Website k-einbruch.de finden Eigentümer und Mieter die nächstgelegene Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle - dort gibt es eine kostenlose Vor-Ort-Beratung, eine objektbezogene Sicherungs-Empfehlung und die Liste der regional aktiven, polizei-empfohlenen Errichter. Die Beratung ist kostenfrei, hersteller-neutral und ohne Verkaufsdruck. Empfehlung: vor jedem größeren Sicherungs-Projekt zuerst die polizeiliche Beratung in Anspruch nehmen und auf dieser Basis Angebote der lokalen Fachbetriebe einholen.

Wo bekomme ich kostenlose Polizei-Beratung zum Einbruchschutz?

In jeder Stadt und in jedem Landkreis gibt es eine Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle (KPB), die kostenlose Einbruchschutz-Beratung anbietet - direkt vor Ort am Objekt. Die Beratung deckt die Bestandsaufnahme der Schwachstellen, die objektbezogene Sicherungs-Empfehlung mit konkreten Komponenten-Vorschlägen und die Liste der regional empfohlenen Errichter ab. Die zentrale Anlaufstelle ist die bundesweite Plattform k-einbruch.de mit Adress-Suche nach Postleitzahl. Termine sind häufig innerhalb von zwei bis vier Wochen möglich. Empfehlung: vor dem Einholen von Errichter-Angeboten zuerst die KPB-Beratung absolvieren, weil die polizeiliche Empfehlung als Grundlage für die folgenden Fachbetriebs-Angebote dient.

Empfiehlt die Polizei eine bestimmte Marke oder einen Hersteller?

Nein. Die Polizei ist zur Neutralität verpflichtet und darf keine einzelnen Hersteller oder Produkte empfehlen. Wenn ein Anbieter mit "polizeilich empfohlen" wirbt, bezieht sich das im besten Fall auf die Aufnahme in ein regionales Errichterverzeichnis einer Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle, nicht auf eine Produktempfehlung. Belastbare Auswahlkriterien sind stattdessen die VdS-Anerkennung des Errichters für die jeweilige Klasse, die Mitgliedschaft in einem Fachverband wie dem BHE und ein schriftliches Sicherungskonzept vor dem Angebot. Wer sichergehen will, holt sich zuerst die kostenlose Beratung der örtlichen Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle und lässt sich danach Angebote von Fachbetrieben machen.

Reicht eine Alarmanlage mit Sirene oder braucht es eine Aufschaltung?

Die Polizei formuliert die Anforderung so, dass der Alarm eine "Hilfe leistende Stelle" erreichen soll. Eine reine Sirene erfüllt das nicht zuverlässig, weil niemand verpflichtet ist zu reagieren und Anwohner akustische Alarme erfahrungsgemäß oft ignorieren. Eine direkte Aufschaltung auf die Polizei ist für Privathaushalte in Deutschland nicht vorgesehen. Der reguläre Weg führt über eine Notruf- und Serviceleitstelle nach DIN EN 50518: Sie nimmt die Meldung entgegen, verifiziert sie und alarmiert dann Interventionskräfte oder die Polizei. Für Privathaushalte ist eine Kombination üblich, bei der die Sirene abschreckt und die Aufschaltung dafür sorgt, dass tatsächlich jemand reagiert.